
Schon seit Wochen - doch, aber warum fangen sie überhaupt schon so früh zu arbeiten an, haben die keine Gewerkschaft? - also, seit Wochen sieht man sie überall: fliehende Weihnachtsmänner! Mit Seilen und Strickleitern flüchten sie aus allen Fenstern. "Wie schön, es weihnachtet", denkt man sich, doch auf den zweiten Blick offenbart sich die grausige Realität:
Fast alle haben brutal gebrochene Beine, schwere Trümmerbrüche offensichtlich, denn die Füße weisen in für eine gesunde Anatomie unmögliche Richtungen. Und noch ein Detail fällt auf: die meisten tragen keinen Sack mehr, die übrigen nur einen leeren Beutel.
So offenbart sich dem aufmerksamen Beobachter eine traurige, aber für unsere Zeit doch typische Geschichte: statt brav zu warten, bis die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen, lauert man dem Weihnachtsmann heute mit dem Baseballschläger auf, bricht ihm mit gezieltem Schlag die Beine und greift selber zu. Den armen Geschenkboten, unfähig mit ihren Verletzungen noch den üblichen Weg durch den Kamin zu nehmen, bleibt nichts als die Flucht aus dem Fenster.
Nun gut, könnte man glauben, so lange es dem Konsum und dem Wirtschaftswachstum dient, muß eben jeder Opfer erbringen, auch der Weihnachtsmann. Aber wie wird es weitergehen? Gegenmaßnahmen sind nur eine Frage der Zeit, und wenn eine Nikolaus-Rute nicht mehr ausreicht, wird neben weißem Bart, roter Mütze und dickem Sack wohl eine Schnellfeuerwaffe neues Erkennungszeichen des Weihnachtsmannes werden. Der Fortschritt ist eben nicht aufzuhalten.
Na denn:
fröhliche Weihnachten